Eine Marketing-Analystin wirft einen genauen Blick auf die einzelnen Stationen der Customer Journey, um das Verhalten und die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden besser zu verstehen.

Was ist Customer Journey? Phasen, Touchpoints und Mapping

Die Customer Journey ist die Gesamtheit aller Erlebnisse und Kontakte, die ein Kunde mit einer Marke hat. Von der ersten Wahrnehmung bis zur Weiterempfehlung. 

Kein Kauf entsteht aus dem Nichts. Jede Begegnung, ob eine Google-Anzeige, ein Gespräch mit dem Support oder eine Bewertung auf Trustpilot, prägt die Kaufentscheidung.

Für Unternehmer und Marketingverantwortliche in kleinen und mittelständischen Unternehmen ist das Konzept kein Modebegriff. Es ist das Steuerungsinstrument, das bestimmt, ob Kunden bleiben oder abspringen. Tools wie Salesforce, Klaviyo und HubSpot haben das Konzept in ihren Plattformen verankert, weil es funktioniert.

Was ist Customer Journey? Definition und Bedeutung für KMU

Die Customer Journey beschreibt die gesamte Erfahrung und alle Interaktionen eines Kunden mit einer Marke, von der ersten Wahrnehmung bis hin zu Support und Weiterempfehlung. Das klingt simpel, ist aber in der Praxis komplex. Ein Kunde sieht vielleicht zuerst eine Facebook-Anzeige, liest dann drei Blogartikel, vergleicht Preise auf einem Vergleichsportal, fragt einen Freund und kauft schließlich über die Website. Jeder dieser Schritte ist Teil der Kundenreise.

Für KMU ist das Verständnis dieser Reise besonders wertvoll. Wer weiß, wo Kunden abspringen oder zögern, kann gezielt eingreifen. Wer das nicht weiß, gibt Geld für Werbung aus und wundert sich über schlechte Conversion-Raten. Die Kundenreise zu definieren bedeutet, Kundenbeziehungen aktiv zu gestalten statt dem Zufall zu überlassen.

Ein Inhaber eines kleinen Unternehmens analysiert, wie Kunden mit seinem Angebot in Kontakt kommen und welche Schritte sie bis zum Kauf durchlaufen.

Der Begriff “Customer Journey” ist im Marketing etabliert. Im Deutschen spricht man auch von der Kundenreise, wobei beide Begriffe gleichbedeutend verwendet werden. Die Methode dahinter, das Customer Journey Mapping, ist das eigentliche Werkzeug zur Analyse und Verbesserung.

Welche Phasen hat die Customer Journey?

Typische Phasenmodelle nennen fünf bis sechs Stufen: Awareness, Consideration, Kauf, Retention und Advocacy. Salesforce arbeitet mit sechs Phasen, Klaviyo mit fünf. Der Unterschied liegt meist in der Aufteilung der Nachkaufphase. Beide Ansätze sind praxistauglich.

ModellPhasen
Salesforce (6 Phasen)Awareness, Consideration, Kauf, Retention, Advocacy, Loyalität
Klaviyo (5 Phasen)Awareness, Consideration, Kauf, Retention, Advocacy
Klassischer FunnelAwareness, Interest, Desire, Action

Der klassische Marketing-Funnel endet beim Kauf. Die Customer Journey geht weiter. Retention und Advocacy, also Kundenbindung und Weiterempfehlung, sind genauso Teil des Modells. Das ist der entscheidende Unterschied.

Die Kundenreise verläuft selten linear. Kunden springen zwischen Phasen hin und her, stellen Rückfragen, vergleichen erneut und brauchen manchmal Wochen bis zur Entscheidung. Ein Handwerker, der eine neue Buchhaltungssoftware sucht, liest heute einen Testbericht, vergisst das Thema zwei Wochen lang und kehrt dann über eine Retargeting-Anzeige zurück. Das ist normal. Wer seine Kundenreise nur als geraden Weg plant, verliert diese Kunden.

Profi-Tipp: Analysieren Sie, in welcher Phase Ihre Kunden am häufigsten abspringen. Oft ist es nicht die Awareness-Phase, die schwächelt, sondern die Consideration-Phase, weil Informationen fehlen oder Vertrauen nicht aufgebaut wird.

Anschauliche Grafik, die die einzelnen Schritte der Kundenreise übersichtlich darstellt

Was sind Touchpoints und warum sind sie entscheidend?

Touchpoints sind alle einzelnen Kontaktpunkte zwischen Kunde und Marke. Jeder Moment, in dem ein Kunde mit Ihrem Unternehmen in Berührung kommt, ist ein Touchpoint. Die Reihenfolge und Kombination dieser Punkte beeinflusst Kaufentscheidungen stark.

Man unterscheidet direkte und indirekte Touchpoints. Direkte Touchpoints sind Kontakte, die Sie selbst steuern: Ihre Website, Ihre Werbeanzeigen, Ihr Newsletter, Ihr Kundenservice. Indirekte Touchpoints entstehen ohne Ihr Zutun: Empfehlungen von Freunden, Bewertungen auf Google oder Erwähnungen in Fachforen. Beide sind Teil der Kundenreise.

Typische Touchpoints nach Phase:

  • Awareness: Google-Suche, Social-Media-Anzeige, Mundpropaganda, Presseartikel
  • Consideration: Website, Produktseiten, Vergleichsportale, Bewertungen, E-Mail-Newsletter
  • Kauf: Checkout-Prozess, Zahlungsoptionen, Bestellbestätigung
  • Retention: Onboarding-E-Mails, Support-Gespräche, Treueprogramme, Follow-up-Anrufe
  • Advocacy: Bewertungsanfragen, Empfehlungsprogramme, Community-Angebote

Ein einzelner negativer Touchpoint kann die gesamte Reise zerstören. Ein Kunde, der nach dem Kauf drei Tage auf eine Support-Antwort wartet, wird nicht weiterempfehlen, egal wie gut das Produkt war. Umgekehrt kann ein überraschend guter Touchpoint, etwa eine persönliche Dankesnachricht nach dem Kauf, die Bindung deutlich stärken.

Tipp: Kartieren Sie alle Touchpoints Ihres Unternehmens und bewerten Sie jeden auf einer Skala von 1 bis 5. Touchpoints unter 3 sind Ihre größten Wachstumshebel.

Wie erstellt man eine Customer Journey Map?

Customer Journey Mapping ist die visuelle Darstellung der Kundenreise aus Kundensicht, um Touchpoints, Emotionen und Hürden aufzudecken. Es geht nicht darum, eine schöne Grafik zu erstellen. Es geht darum, das tatsächliche Erleben des Kunden sichtbar zu machen.

Eine Journey Map enthält typischerweise: eine Persona (wer ist der Kunde?), ein Szenario (welches Ziel verfolgt er?), die Phasen der Reise, konkrete Aktionen des Kunden, seine Emotionen pro Phase und Chancen zur Verbesserung. Der Unterschied zum klassischen Sales-Funnel ist erheblich. Journey Maps decken mehr ab als Funnels, weil sie die gesamte Erfahrung zeigen, inklusive Support, Feedback und Loyalität nach dem Kauf.

So erstellen Sie eine datengestützte Journey Map:

  1. Persona definieren: Wen beschreiben Sie? Alter, Beruf, Ziele, typische Probleme. Keine Fantasieperson, sondern ein Profil aus echten Kundendaten.
  2. Szenario festlegen: Welches konkrete Ziel verfolgt diese Person? Zum Beispiel: “Ich suche eine Buchhaltungslösung für mein 5-Personen-Unternehmen.”
  3. Phasen und Aktionen erfassen: Was tut der Kunde in jeder Phase? Welche Kanäle nutzt er? Welche Fragen stellt er?
  4. Emotionen eintragen: Wo ist der Kunde frustriert, wo begeistert? Interviews, Support-Protokolle und Bewertungen liefern diese Daten.
  5. Pain Points markieren: Wo bricht die Journey ab? Wo gibt es Reibung?
  6. Chancen ableiten: Was kann verbessert werden? Konkret, nicht abstrakt.
Element der Journey MapZweck
PersonaReales Kundenprofil als Grundlage
SzenarioKonkretes Ziel des Kunden
AktionenWas der Kunde in jeder Phase tut
EmotionenWie sich der Kunde fühlt
ChancenWo Verbesserungen möglich sind

Effektive Journey Maps fördern Team-Alignment, weil sie die Kundenperspektive mit klaren Verantwortlichkeiten verbinden. Das ist der größte operative Nutzen, nicht die Visualisierung selbst. Wenn Marketing, Vertrieb und Support gemeinsam an einer Map arbeiten, entstehen Verständnis und Verantwortung für den gesamten Kundenprozess.

Im B2B-Bereich brauchen Journey Maps zusätzliche Tiefe. Operative Schritte wie Angebot, Verhandlung und Onboarding müssen abgebildet werden, weil Entscheidungszyklen länger sind und mehrere Personen beteiligt sind. Eine B2B-Journey Map ohne diese Phasen ist unvollständig.

Wie kann man die Customer Journey optimieren?

Datenbasierte Journey Maps helfen, Kennzahlen pro Phase zu erheben und Inhalte sowie Prozesse kanalübergreifend zu verbessern. Die Kombination aus Mapping und Analytics ist der Kern jeder Optimierung. Wer nur visualisiert, ohne Daten zu messen, arbeitet mit Annahmen.

Konkrete Ansätze zur Kundenreise Analyse und Verbesserung:

  • KPIs pro Phase messen: Conversion-Rate in der Consideration-Phase, Abbruchrate im Checkout, Net Promoter Score nach dem Kauf. Jede Phase braucht eigene Kennzahlen.
  • Verhaltensdaten auswerten: Google Analytics 4, Heatmaps mit Tools wie Hotjar oder Microsoft Clarity zeigen, wo Nutzer auf der Website abspringen.
  • CRM-Daten nutzen: Salesforce, HubSpot oder auch einfachere CRM-Systeme speichern Interaktionshistorien. Diese Daten zeigen, welche Touchpoints vor einem Kauf oder einem Abbruch stehen.
  • Emotionen messen: Neben Conversion-Daten sind Emotionsdaten und Pain Points pro Phase wichtig, damit Anpassungen zielgerichtet wirken. Kundenbefragungen, Support-Auswertungen und Bewertungsanalysen liefern diese Schicht.
  • Automatisierung einsetzen: E-Mail-Sequenzen mit Klaviyo oder HubSpot können Kunden in der Consideration-Phase gezielt mit Informationen versorgen, ohne manuellen Aufwand.
  • Nachkaufphase nicht vergessen: Onboarding-E-Mails, Nutzungstipps und Bewertungsanfragen sind günstige Maßnahmen mit hoher Wirkung auf Retention und Advocacy.

Generische Optimierungen ohne Kontext bringen wenig. Wer einfach mehr Werbung schaltet, ohne zu wissen, in welcher Phase Kunden verloren gehen, verschwendet Budget. Die Customer Journey optimieren bedeutet, gezielt an den Stellen anzusetzen, wo die Daten Probleme zeigen.

Kundenbindung und Weiterempfehlung sind die profitabelsten Ziele der Nachkaufphase. Ein Bestandskunde kostet in der Akquise nichts mehr. Wer ihn durch guten Support, relevante Kommunikation und echte Mehrwerte hält, steigert den Umsatz ohne zusätzliche Werbekosten. Das ist der Hebel, den viele KMU unterschätzen.

Tipp: Starten Sie nicht mit einer perfekten Journey Map. Starten Sie mit der einen Phase, die Ihnen am meisten Kopfzerbrechen bereitet, messen Sie dort gezielt und verbessern Sie konkret. Dann weiter zur nächsten Phase.

Die Customer Journey ist das Steuerungsinstrument für alle Kundenkontakte, und wer sie datenbasiert analysiert und phasenweise verbessert, steigert Conversion, Bindung und Weiterempfehlung messbar.

ThemaDetails
Definition der KundenreiseDie Customer Journey umfasst alle Kundenkontakte von Awareness bis Advocacy, nicht nur den Kauf.
Phasenmodelle im VergleichSalesforce nutzt 6 Phasen, Klaviyo 5. Beide gehen über den klassischen Funnel hinaus.
Bedeutung von TouchpointsReihenfolge und Qualität jedes Kontaktpunkts beeinflussen Kaufentscheidung und Kundenbindung direkt.
Journey Mapping als MethodeEine Journey Map macht Emotionen, Pain Points und Verbesserungschancen für das gesamte Team sichtbar.
Datenbasierte OptimierungOhne Messung von KPIs und Emotionen pro Phase bleiben Verbesserungen oberflächlich und wirkungslos.

Was ich nach 25 Jahren wirklich über die Customer Journey denke

Ich habe seit 2001 Dutzende von Unternehmen beim Aufbau ihrer Online-Marketing-Strukturen begleitet. Und ich sage Ihnen direkt: Die meisten Journey Maps, die ich gesehen habe, waren schöne PowerPoint-Folien, die nach dem Workshop in der Schublade verschwunden sind.

Das Problem ist nicht das Konzept. Das Konzept ist gut. Das Problem ist die Umsetzung. Viele Teams erstellen eine Journey Map auf Basis von Annahmen, nicht von Daten. Sie fragen keine echten Kunden. Sie schauen nicht in ihre Support-Tickets. Sie ignorieren, was Google Analytics ihnen zeigt. Die Customer Journey muss auf tatsächlich gemessenen Kundenerfahrungen basieren, nicht auf Idealvorstellungen. Das ist der Unterschied zwischen einer nützlichen Map und einer Wanddekoration.

Ein weiterer Fehler: Der After-Sales-Bereich wird systematisch vernachlässigt. Support, Onboarding, Feedback-Schleifen. Diese Touchpoints sind in den meisten KMU-Journeys entweder gar nicht abgebildet oder werden als “Kostenstelle” betrachtet. Dabei ist ein gut betreuter Bestandskunde der günstigste Umsatz, den Sie machen können.

Mein Rat aus der Praxis: Bleiben Sie agil. Kein Kundenverhalten bleibt konstant. Was im Januar funktioniert hat, kann im September schon überholt sein. Wer seine Journey Map einmal erstellt und dann nie wieder anfasst, hat das Konzept nicht verstanden. Hören Sie auf das tatsächliche Verhalten Ihrer Kunden, nicht auf das, was Sie sich wünschen.

— Michael Feike

trendymarketing unterstützt Sie bei der Kundenreise

Wer die Kundenreise seines Unternehmens wirklich verstehen und verbessern will, braucht mehr als Theorie. trendymarketing begleitet kleine und mittelständische Unternehmen dabei, ihre Touchpoints zu analysieren, Schwachstellen zu identifizieren und konkrete Maßnahmen umzusetzen.

https://trendymarketing.de

Ob Online-Marketing Maßnahmen strukturiert aufbauen, Conversion-Schwachstellen beheben oder Marketing-Automatisierung einführen: trendymarketing bringt über 25 Jahre Praxiserfahrung mit KMU-Fokus mit. Der nächste Schritt ist konkret: Analysieren Sie Ihre Kundenreise mit einem Partner, der weiß, wo die typischen Fehler liegen, und der Ihnen zeigt, wie Sie sie beheben.

Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

FAQs

Was ist Customer Journey einfach erklärt?

Die Customer Journey beschreibt den gesamten Weg eines Kunden mit einem Unternehmen, von der ersten Wahrnehmung über den Kauf bis zur Weiterempfehlung. Jeder Kontaktpunkt auf diesem Weg beeinflusst die Kaufentscheidung und die Kundenbindung.

Wie viele Phasen hat die Customer Journey?

Typische Modelle nennen fünf bis sechs Phasen: Awareness, Consideration, Kauf, Retention und Advocacy. Salesforce arbeitet mit sechs Phasen, Klaviyo mit fünf.

Was ist der Unterschied zwischen Customer Journey und Sales Funnel?

Der Sales Funnel endet beim Kauf. Die Customer Journey geht weiter und umfasst auch Support, Kundenbindung und Weiterempfehlung nach dem Kauf.

Was ist Customer Journey Mapping?

Customer Journey Mapping ist die visuelle Darstellung der Kundenreise aus Kundensicht, inklusive Touchpoints, Emotionen und Verbesserungschancen. Es hilft Teams, ein gemeinsames Verständnis des Kundenerlebnisses zu entwickeln.

Wie kann ich die Kundenreise meines Unternehmens verbessern?

Messen Sie KPIs pro Phase, analysieren Sie Verhaltensdaten mit Tools wie Google Analytics 4 oder Hotjar, und befragen Sie echte Kunden zu ihren Erfahrungen. Setzen Sie Verbesserungen dort an, wo die Daten Probleme zeigen, nicht wo Sie Probleme vermuten.

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